Dürer-Vorträge Nürnberg

Eine Zusammenfassung der Vorträge und Informationen über die Referenten.

Archiv 2006

Albrecht Dürer: Die Mutter des Künstlers, 1514. Kohlezeichnung. Berlin, Kupferstichkabinett.

Dürers Mutter

Das Bildnis der Barbara Dürer ist ein herausragendes Werk in der Entwicklung der europäischen Bildniskunst. Es ist wohl das erste Mal, dass ein Künstler das Antlitz seiner alten, kranken, vom Schicksal und der Familienarbeit verzehrten Mutter in einem lebensgroßen Brustbild darstellte. Albrecht Dürer setzte Barbara mit der präzisen, überaus genau beobachteten Bildniszeichnung ein zeitloses Denkmal. Gleichzeitig schuf mit diesem privaten, von Sympathie und Sohnesliebe geprägten Bildnis eines der ersten Zeugnisse vorbehaltlos wahrgenommenen Alters einer Frau.

Die Porträtzeichnung und das eng damit verknüpfte so genannte "Gedenkbuch" Albrecht Dürers bieten reichen Anlass, kunsthistorische aber auch germanistische, sozialhistorische wie medizinische Fragen an "Dürers Mutter" heranzutragen und auf diesem Wege vielfältige Aspekte der Dürerschen Kunst zu beleuchten.

Dr. Michael Roth, Kupferstichkabinett Berlin

Geboren 1957 in Gelsenkirchen, Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Publizistik in Münster, Wien und Berlin; Dissertation: Die Zeichnungen des Meisters der Coburger Rundblätter, Freie Universität Berlin 1988.

1988 - 1990 Volontariat und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Württembergischen Landesmuseum Stuttgart; 1990 - 2001 Konservator für die Kunst bis 1800 am Ulmer Museum. Seit 2001 Kustos der Sammlung deutscher Zeichnungen, Buchmalerei und Druckgraphik bis 1800 am Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin.

 
 

Die Rezeption der Landschaftsaquarelle im druckgraphischen Werk Dürers

Die Landschaft ist in erster Linie im Aquarell Albrecht Dürers wesentlicher Bestandteil des Bildes. Aus diesem Grund werden zu Beginn dieses Vortrags die landschaftlichen Motive der Aquarelle mit denen des druckgraphischen Werks verglichen. Ziel des Vortrags ist es, motivische Übernahmen aus den Landschaftsaquarellen in der Druckgraphik aufzuzeigen, Dürers Bildkompositionen in beiden Techniken gegenüberzustellen und seine Auffassung von Landschaft darzulegen.

Bianca Bocatius M.A., Düsseldorf

Geboren 1979 in Meerbusch. Nach dem Abitur in Krefeld 1999 begann sie ein Magisterstudium mit der Fächerkombination Kunstgeschichte, Erziehungswissenschaften und Informationswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ihre Magisterarbeit schrieb sie zum Thema "Albrecht Dürers Landschaftsaquarelle und ihre motivische Rezeption in seinem druckgraphischen Werk". Derzeit arbeitet Frau Bocatius als freie Mitarbeiterin für die Stiftung Schloss und Park Benrath sowie für das Hetjensmuseum Düsseldorf.

 
 

Dürers "Hieronymus im Gehäus"

Bisher nicht befriedigend geklärt sind manche Details in Dürers berühmtem Kupferstich: Warum hängt ein dicker Flaschenkürbis von oben herab? Wozu benötigt der Heilige die vielen Kissen? Warum sitzt er in einem Einbau in ein größeres Gebäude, der nach einer Schönheitsreparatur verlangt? Die Beantwortung dieser Fragen eröffnet einen Einblick in Dürers Frömmigkeit und in sein Denken im Jahre 1514.

Prof. Dr. Ulrich Kuder, Christian-Albrechts-Universität Kiel, Kunsthistorisches Institut

Geboren 1943 in Tuttlingen/Donau. Studium der ev. Theologie in Tübingen, Wien, Mainz und Edinburgh. 1968 Erste ev.-theol. Dienstprüfung. Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und der Alttestamentlichen Wissenschaft in München. 1977 Promotion mit einer Arbeit über eine karolingische Psalterhandschrift.

1989 Habilitation. 1990 - 94 Hochschuldozent in Osnabrück. 1994 - 96 Professor in Cottbus. Seit 1996 o. Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte in Kiel. Forschungsschwerpunkte: Kunst des Frühen Mittelalters und der Moderne.

 
 

Der Mediziner am Setzkasten. Ulrich Pinder als Auftraggeber der Dürer-Werkstatt

Der Stadtarzt Ulrich Pinder unterhielt in Nürnberg eine eigene Druckerei und beauftragte die "erste Generation" der Dürer-Werkstatt bereits kurz nach 1500 mit der graphischen Illustrierung umfangreicher Buchprojekte. Dürer selbst reiste zu jener Zeit nach Italien und übertrug die Ausführung seinen ersten Werkstattmitarbeitern Hans Baldung, Hans Süss von Kulmbach und Hans Schäufelein.

Im Zentrum des Vortrags steht die Frage nach der Arbeitsteilung und der wechselseitigen "Lehrer-Schüler"-Adaption, wie sie sich anhand der Pinderschen Aufträge ablesen lässt. Unterliegen die Arbeiten - im Vergleich zu anderen Malerunternehmen der Zeit - dem Werkstattkanon oder ist die individuelle Handschrift des einzelnen Künstlers ablesbar?

Birgit Münch M.A., Universität Trier, Kunsthistorisches Institut

Geboren 1975 in Schwetzingen. Studium der Kunstgeschichte, der Mittleren und der Neueren Geschichte an den Universitäten Heidelberg, Paris IV und Berlin (FU). Magister Artium 2003 (Bild und Text in Pinders Speculum passionis) an der FU Berlin

2003-2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut der Universität Heidelberg, 2004-05 Mitarbeiterin am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, München. Seit November 2005 Assistenz im Fach Kunstgeschichte der Universität Trier. Parallel Promotion zum Thema Graphische Passionszyklen des Konfessionellen Zeitalters.

Schwerpunkte: Kunst- und Kulturgeschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit im nordalpinen Raum, theologische Bildkonzepte und Kulturtransfer.

 
 

Albrecht Dürer und das Mosesfenster in St. Jakob in Straubing

Zur Neubewertung eines Meisterwerks Nürnberger Glasmalerei um 1500

Obwohl das Straubinger Mosesfenster schon im 18. Jahrhundert zu den herausragendsten monumentalen Glasmalereien ganz Bayerns gerechnet wurde, fehlte bislang eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Bestand. Neue Forschungen begründen die Einordnung des Fensters in das frühe &Oelig;uvre des Nürnberger Stadtglasers Veit Hirsvogel und die Zuweisung des Entwurfs an den jungen Albrecht Dürer.

Die Neubewertung des Mosesfensters bereichert unsere Vorstellung von Dürers Anfängen nach der Rückkehr aus Italien um ein zentrales Hauptwerk und stellt die Diskussion um die Authentizität seiner frühen Glasmalerei-Entwürfe auf eine neue Basis.

Dr. Hartmut Scholz, Forschungszentrum "Corpus Vitrearum", Freiburg

Geboren 1956 in Stuttgart. Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Stuttgart und Berlin. 1988 Promotion mit einer Arbeit über "Entwurf und Ausführung - Werkstattpraxis in der Nürnberger Glasmalerei der Dürerzeit". Seit 1989 Mitarbeiter am deutschen Corpus Vitrearum Medii Aevi in Freiburg; seit 2004 Leiter des Freiburger Forschungszentrums. Forschungsschwerpunkte: Deutsche Kunst der Spätgotik und Frührenaissance.

 
 

Holzfaserplatten, Gummibänder oder Blei

Die Rezeption Albrecht Dürers durch Joseph Beuys, Sigmar Polke und Anselm Kiefer

Wie gehen Künstler der mittleren und jüngeren Generation heute mit dem Erbe Dürers um? Kaum ein anderer Künstler wird bis in die Gegenwart öfter rezipiert und verehrt wie Albrecht Dürer.

So möchte der Vortrag am Beispiel dreier gegensätzlicher Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - Joseph Beuys, Sigmar Polke und Anselm Kiefer - verschiedene Auseinandersetzungen mit dem Werk des Nürnbergers zeigen und zugleich einen neuen Blickwinkel auf das Schaffen Dürers eröffnen.

Karoline Feulner M.A., Universität Mainz

Geboren 1979 in Bayreuth. Studium der Kunstgeschichte, der Denkmalpflege und der Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Magister Artium 2005 mit dem Thema "Albrecht Dürer Darstellungen auf den Transparenten der Nürnberger Dürerfeier von 1828. Entstehungsgeschichte, Ikonographie und Interpretation."

Seit Februar 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin am kunstgeschichtlichen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Parallel Promotion über die Rezeption Albrecht Dürers im 20. Jahrhundert.