Dürer-Vorträge Nürnberg

Eine Zusammenfassung der Vorträge und Informationen über die Referenten.

Archiv 2008

Albrecht Dürer: Betende Hände, um 1508

Die "Betenden Hände" von Albrecht Dürer - Entstehung und Bedeutung

Der Vortrag gibt einen Einblick in den ursprünglichen Kontext der Zeichnung, gefolgt von der Rezeptionsgeschichte, die zur Popularisierung und Trivialisierung dieses Motives führt. Die "Betenden Hände" als Dürers eigene Hände, die er mit Hilfe von zwei ebenen Spiegeln detailgetreu abzeichnete, werden im zweiten Teil thematisiert.

Dr. Karin Permesang, München

Dr. Karin Permesang (geb. Wimmer), lebt und arbeitet in Trier und München. 1991 Magister Artium an der Ludwig-Maximilians-Universität München; Magisterarbeit mit dem Thema: "Rezeption der Holzschnitte Albrecht Dürers in der deutschsprachigen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts"; 1999 Promotion an der Leopold Franzens Universität Innsbruck; Doktorarbeit mit dem Thema: "Das Phänomen der Betenden Hände von Albrecht Dürer".

Die vier nackten Frauen, Kopiencollage nach Albrecht Dürer

Das druckgraphische Bild nach Vorlagen Albrecht Dürers - Zum Phänomen der graphischen Kopie (Reproduktion) zu Lebzeiten Dürers nördlich der Alpen

Dieser Vortrag stellt die neuesten Forschungen zu dem bisher kaum beachteten Thema der zeitgenössischen druckgrafischen Kopien vor. Dabei lassen die Kopien weite Rückschlüsse zu, z.B. zur Beliebtheit von Sujets oder dem Kunstmarkt. Die Einstellung des frühen 16. Jhs. zum Kopieren und das Ansehen der Kopisten wird ebenso behandelt, wie Dürers Kampf um das Urheberrecht. Die Analyse nach dem Rechts und Links im Bild ergab ein erstaunliches Ergebnis.

Dr. Christine Vogt, Oberhausen

Studierte Kunstgeschichte an der RWTH Aachen. Der vorliegende Vortrag ist ihre Dissertation, die im Frühjahr 2008 im Dt. Kunstverlag erschien. Von 1998 bis 2000 als Volontärin am Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen, war sie dort seitdem als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Zusammen mit Dagmar Preising kuratierte sie 2004 die umfangreiche Ausstellung Albrecht Dürer - Apelles des Schwarz-Weiß. Seit März 2008 ist Christine Vogt Leiterin der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen.

Albrecht Dürer: Selbstbildnis im Pelzrock, 1500 (Detail)

Lob der Hand - Albrecht Dürers "docta manus" zwischen Künstlertopos und christlicher Ethik

Die Wendung "Dürers Hand" wird im Rahmen des Vortrags in drei verschiedenen Sinnen erläutert: Hand als Sujet der Darstellung; docta manus als topos der Dürerverehrung; und verborgene Hand, womit Dürer sein Publikum erziehen will wie durch eine Art "Manuductio". Im ersten Fall bewundert einer die Feinheit seines Zeichnens, im zweiten stellt man die Übereinstimmung von Theorie und Praxis in seinem künstlerischen Schaffen fest, im dritten ahnen wir eine Intuition, die Dürers Hand geführt hat und die er mit humanistischen und geistlichen Frequentationen reichlich gespeist hat. Hier wird Dürer zum "Türer", dessen Tugend in der Hand liegt. So steht im Selbstbildnis von 1500 gerade der Hand eine Schlüsselrolle neben den allsehenden Augen zu. In einer christlich gesinnten Ethik liegt letzten Endes der Sinn der "docta manus".

PD. Dr. Elena Filippi, München

Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Padua; an den Universitäten Würzburg und Freiburg; 1995 Promotion, Rom. 1996 Lise-Meitner-postdoc-fellow (Graz). Lehrbeauftragt in Venedig (1991-1998), in Trient (2002-2006), in Ferrara (seit 2000), ab 2006 Privatdozentin ebendort. 2007-2008: AvHumboldt-Stipendium für ein Buch mit dem Titel: Gott Mensch / Mensch Gott. Die ’viva mensura’ der Renaissance. Zu Cusanus, Alberti, Dürer (2008). Mitarbeiterin des Projektes "Cusanus-Portal" (DFG-Uni Trier). Unter ihren zahlreichen Publikationen gilt die Dürerforschung als einer der Schwerpunkte.

Der Heller-Altar, Innenseite von Albrecht Dürer

Vom Werkstattbehelf zum Zeichen: Albrecht Dürers "Betende Hände" und die Geschichte einer Funktionsveränderung

Der Vortrag möchte die Geschichte der Zeichnung mit den "Betenden Händen" nachzeichnen. Die ursprüngliche Funktion der Zeichnung als Teil eines Studienblattes zu Dürers Heller-Altarbild wird genauso thematisiert, wie die zu einem unbekannten Zeitpunkt erfolgte Trennung der Zeichnung in zwei Hälften. Diese Maßnahme und die Eigenschaft als Sammlerobjekt machten die "Betenden Hände" dann zu einem Zeichen, das für die Albertina identitätsstiftend wurde.

Dr. Heinz Widauer, Wien

Jahrgang 1956, Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien. Zwischen 1992 und 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stadtmuseum Linz-Nordico und an der Albertina.

Veröffentlichung des Bestandes italienischer Zeichnungen am Linzer Stadtmuseum (1997), der französischen Zeichnungen des 16. Jahrhunderts der Albertina (1993 mit Eckhart Knab) und der dortigen Zeichnungen des 17. bis ins beginnende 18. Jahrhundert (2004). 1995/96 Internship im Department of Drawings im J. Paul Getty Museum in Los Angeles. Seit 2002 fester Mitarbeiter der Albertina. 2002 Assistenzkurator der Dürer-Ausstellung, 2003/2004 Kurator der Rubens-Ausstellung und 2008 Kurator der Ausstellung "Van Gogh" in der Albertina.

Albrecht Dürer: Selbstbildnis als Akt, um 1509

Dürers Weimarer Selbstbildnis als Akt

Dürer zeigt sich nackt. Dieses Wagnis, sich selbst mit kompositorisch und zeichnerisch betontem Geschlecht darzustellen, war nur im privaten und freien Medium der Zeichnung möglich. Die Zeichnung als eigenständiges Kunstwerk aufwertend, schuf Dürer hier einen Meilenstein in der Geschichte des Aktes wie in der Entwicklung des autonomen Selbstbildnisses. Eine einzigartige Verbindung, die dieser Vortrag in ihrer innovativen Vielfalt und Genialität würdigt.

Christine Demele M.A., Jena

2001-2007: Studium der Kunstgeschichte, Ostslawistik und Volkskunde/Kulturgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und an der Lomonossow-Universität in Moskau.
2005-2008: Wissenschaftliche Bearbeitung der italienischen Zeichnungen aus Goethes grafischer Sammlung in Weimar
2007: Ausstellung "Perlenfischerey. Italienische Zeichnungen aus Goethes Sammlung" und Verleihung des Dr.-Heinrich-Weber-Preises
Seit Mai 2008: Promotionsstipendiatin der Gerda-Henkel-Stiftung Düsseldorf
Thema der Dissertation: Dürers Weimarer Selbstbildnis als Akt.

Albrecht Dürers "Betende Hände". Auf den Spuren eines Massenphänomens

Im Vordergrund der Beschäftigung mit den "Betenden Händen" stand die Frage nach Ursachen und Verlauf ihrer massenhaften Verbreitung als Repliken. Wie kann dieses Phänomen museal und in der Forschung dokumentiert werden? Wie lässt sich den Dingbiografien dieser Repliken nachspüren? Rund 200 Bürger kamen im Juni 2008 mit ihren "Betenden Händen" ins Germanische Nationalmuseum. Ihre Geschichten bieten eine Basis für erste Antworten.

Dr. Claudia Selheim, Nürnberg

Studium der Volkskunde sowie der mittelalterlichen, neuen und neuesten Geschichte in Wien und Würzburg. 1988 Magister, 1993 Promotion zum Dr. phil.

Seit 1990 wissenschaftliche Mitarbeiterin an folgenden Museen: am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, am Historischen Museum Bielefeld, am Museum der Stadt Miltenberg und am Bayerischen Textil- und Industriemuseum in Augsburg. Seit 2007 Sammlungsleiterin für Volkskunde und Spielzeug am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.

Veröffentlichungen zu Themen aus der Sachvolkskunde mit einem Schwerpunkt auf Kleidung und Textilien, u.a.: Das textile Angebot eines ländlichen Warenlagers in Süddeutschland 1778-1824 (1994); Likörfabrik J. Bansi 1823-1960 (1995); Die Entdeckung der Tracht um 1900. Die Sammlung Oskar Kling zur ländlichen Kleidung im Germanischen Nationalmuseum (Bestandskatalog; 2005).

Dr. Thomas Eser, Nürnberg

Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Bayerischen Landesgeschichte an der Universität Augsburg. 1994 Promotion über süddeutsche Renaissanceplastik. 1995-1996 Museumsvolontariat in der Graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums. 1998-2002 Konzeption und Vorbereitung der Jubiläumsausstellung "Quasi Centrum Europae. Europa kauft in Nürnberg" zum 150jährigen Gründungsjubiläum des GNM. 2003-2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Forschungsprojekt "Nürnberger Goldschmiedekunst. 1541-1868". Seit April 2006 Projektkoordinator des Forschungsprojekts "Albrecht Dürer" (Projektkonzeption und Fördermittelakquise, Redaktion der Fachbuchreihe "Dürer-Forschungen", Tagungsplanung).
Diverse Jury-Tätigkeiten und Lehraufträge an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und der Universität Augsburg.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Vita und Werk Albrecht Dürers, Geschichte der Dürer-Forschung. Geschichte und Methodologie kunsthistorischer Kennerschaft.